Besonderheiten bei Erwachsenen

ADHS wird als relevante Störung bei Erwachsenen oft übersehen. Meist werden Erwachsene erst als ADHS-Patienten erkannt, wenn die Erkrankung bei ihren Kindern diagnostiziert wird.

Über die Häufigkeit von ADHS bei Erwachsenen existieren noch wenig konkrete Daten, da die Störung bei den über 18-Jährigen erst in den letzten Jahren in Verlaufsstudien untersucht wurde. Im Alter von 18 Jahren weist etwa noch ein Drittel der Betroffenen mindestens ein ADHS-Anzeichen auf, bis 25 sinkt der Anteil auf etwa 8%. Insgesamt schätzen Experten das Vorkommen bzw. Anhalten einer ADHS-Symptomatik bei Erwachsenen auf 2 bis 7%.

Erwachsene haben durch langjährige soziale Anpassung bestimmte ADHS-Phänomene besser im Griff als in der Kindheit bzw. sie vermeiden einfach ungeliebte „Ruhe-Situationen“ (z.B. Stillsitzen beim klassischen Konzert oder in der Kirche). Die früher offensichtliche Hyperaktivität äußert sich im Erwachsenenalter verhaltener, z.B. durch Scharren mit den Füßen, häufige Änderung der Sitzposition, starkes Gestikulieren, Spielen mit kleinen Gegenstände in den Händen oder Nägelkauen (so genannte Wender-Zeichen). Eine innere Unruhe, Rastlosigkeit und die Unfähigkeit zu Entspannen sind bei den Betroffenen spürbar. Sowohl im Beruf als auch in der Freizeit suchen sie immer nach Abwechslung, brauchen neue Anreize (z.B. Extremsportarten) und sind immer auf der Suche nach neuen Erfahrungen. Abends können Betroffene nicht abschalten, finden z.B. kein Ende beim Fernsehen oder Internet-Surfen, leiden unter Einschlafstörungen.

Berufliche Probleme
Aufmerksamkeitsstörungen
werden von Erwachsenen als sehr belastend empfunden. Geringe Konzentrationsfähigkeit, Vergesslichkeit, Organisationsdefizite und ein chaotischer Arbeitsstil erschweren den Berufsalltag. Erwachsene mit beeinträchtigter Aufmerksamkeit erleben daher mehr berufliche Wechsel und Rauswürfe als andere Menschen. Die Betroffenen leiden ungemein, und das wiederum führt zu Aktionsarmut. Massive Selbstwertprobleme und depressive Verstimmungen treten häufig auf.

Auswirkungen im Privatleben
Die Unaufmerksamkeit beeinflusst auch das Privatleben stark. Zuhause herrscht oft Chaos, private Verabredungen werden vergessen und Versprechungen nicht eingehalten, Zuhören fällt schwer. Der Partner kann sich nicht auf den Betroffenen verlassen, Spannungen und Streit in der Familie sind vorprogrammiert.

Hinzu kommen mögliche Störungen der Impulskontrolle, welche das Zusammenleben besonders erschweren. Plötzliche Wutausbrüche, Sprunghaftigkeit, extreme Ungeduld, sozial unpassendes Verhalten, Nicht-Ausredenlassen sowie riskantes Fahrverhalten können das Leben für alle Beteiligten zur Hölle machen. Betroffene und Angehörige sollten daher unbedingt Rat beim Psychiater einholen.

Behandlungsmöglichkeiten
Die 
Wirkstoffe Methylphenidat und Atomoxetin  sind nur für Kinder auf dem Markt und für Erwachsene derzeit nicht zugelassen. Methylphenidat wird nach Auskunft des Bundesgesundheitsministeriums nur im Ausnahmefall verschrieben. Der neue Wirkstoff Atomoxetin hat ebenfalls keine Zulassung für Erwachsene.

Viele Erwachsene mit ADHS erleben eine Verhaltenstherapie als hilfreich. Entspannungsübungen wie die Muskelrelaxation nach Jacobsen können zusätzlich nützlich sein.

Betroffene können Fähigkeiten wie Zuhören, Konfliktmanagement und Selbstorganisation darüber hinaus auch trainieren. Eine strukturierter Tag und eine Reihe von Organisationshilfsmitteln (Terminplaner/Notizbücher etc.) können ihnen dabei helfen, sich besser auf ihre Aktivitäten am Arbeitsplatz und in ihrer häuslichen Umgebung zu konzentrieren.

 Empfehlungen für den Alltag

  • Fragen Sie, statt zu vermuten, wenn Sie etwas nicht verstanden haben!
  • Unterteilen Sie große Aufgaben in kleine, loben/belohnen Sie sich selbst nach jedem Teilschritt.
  • Schreiben Sie jeden Tag eine Liste von den Sachen auf, die zu erledigen sind! Stellen Sie eine sinnvolle Reihenfolge her (Prioritäten setzen!) – mit Stundenplan. Benutzen Sie einen Terminkalender.
  • Verwenden Sie ein Notizbuch für alles, was Sie nicht vergessen wollen! Halten Sie im Notizbuch bzw. Kalender eine sinnvolle Ordnung, z.B. Telefonnummern und Verabredungen getrennt notieren. Führen Sie das Notizbuch immer mit.
  • Wenn nötig, hängen Sie z.B. Zettel am Kühlschrank oder Badezimmerspiegel auf.
  • Bewahren Sie ähnliche Sachen zusammen auf, aber z.B. CD-ROMs und Musik-CDs getrennt, um die Übersicht zu behalten und nicht am Suchen zu verzweifeln.
  • Entwickeln Sie Routineabläufe!
  • Suchen Sie sich möglichst einen ruhigen Arbeitsplatz – erledigen Sie eines nach dem anderen, legen Sie Pausen ein.
  • Schlafen Sie ausreichend und treiben Sie genügend Ausgleichssport.
  • Akzeptieren Sie Hilfe!